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‚Binnendifferenzierung in der

 schulpädagogischen Diskussion’

 

Im Zuge der eher durchschnittlichen  Ergebnisse deutscher Schülerinnen und Schüler in den internationalen Schulleistungsstudien (TIMSS, PISA), aber auch der steigenden Individualisierung von Lebensentwürfen und einer gleichzeitig bestehenden Ungleichheit der Bildungschancen, ist der Blick der Pädagogik verstärkt auf die Unterschiedlichkeit der Schülerinnen und Schüler gelenkt worden. Von pädagogischen Experten und Expertinnen wird heute zunehmend gefordert, die Verschiedenheit der Kinder und Jugendlichen etwa im Hinblick auf Sprache, Geschlecht, Ethnie, Interessen, Leistung etc. als Chance zu sehen und einen „produktiven Um­gang“ mit der Heterogenität zu pflegen. Heterogenität sollte nicht so sehr als Problem, sondern im Rahmen einer „Pädagogik der Vielfalt“ (Prengel) als Chance und Bereicherung in pädagogischen Kontexten gesehen werden. Als Ausdruck einer derartigen Sichtweise sollte eine deutlichere Individualisierung des schulischen Unterrichts angestrebt werden, wobei Verfahren unterrichtlicher Binnendifferenzierung eine große Rolle spielen.

„Binnendifferenzierung“ ist eine notwendige Antwort auf diese große pädagogische Herausforderung, die Kompetenzen und Interessen des einzelnen Schülers zu fördern und dabei auf die individuellen Bedürfnisse und Schwächen der Lernenden einzugehen. Dabei sind drei Lösungswege denkbar:

  • eine Interessen- und Wahldifferenzierung im Unterrichtsangebot, die sich an Interessen, Kompetenzen, Lernbedürfnissen der Schüler/-innen orientiert;
  • eine schulorganisatorische Differenzierung, die z.B. unterschiedliche inhaltliche, methodische, pädagogische oder ‚pragmatische‘ Prinzipien fokussiert;
  • eine an lernspezifischen Kriterien (z.B. Entwicklungsstand, Lernvoraussetzungen, Leistungsfähigkeit, Lernstile) orientierte unterrichtliche Differenzierung.

Damit verbunden ist wiederum eine grundlegende Veränderung der Lernkultur: Weniger das Lehren (im Sinne eines „belehrenden“ Unterrichts), sondern vielmehr die Planung anspruchsvoller, problemhaltiger Lernarrangements ist von den Lehrern als „Lernbegleitern“ gefordert. Damit verbunden ist also eine Veränderung der Lehrerrolle, die sich zunehmend von einseitiger Instruktion und der Durchgängigkeit frontaler Wissensvermittlung abzuwenden hat. Es geht hingegen um die Eröffnung fördernder und fordernder Situationen, die vom Schüler her zu denken sind und für jeden Lernenden sinnvolle Anknüpfungspunkte für seinen Lernprozess schaffen können. Die binnendifferenzierte Auswahl und Zuordnung der Lernanforderungen und Förderungsmöglichkeiten soll hierbei zunehmend in die Hände der Lernenden gegeben werden. Dies ist nur über eine wachsende Fähigkeit zur Selbsteinschätzung und der selbstständigen Entwicklung von Lernstrategien zu leisten.

Dies wären einige zentrale pädagogische Ansprüche und Anforderungen an eine binnendifferenzierte Lehrweise. Doch stehen diesen Anforderungen auch Bedenken gegenüber, die in die Diskussion um die Binnendifferenzierung eingebracht werden: Überforderung der planenden Lehrer/-innen, Gefahr einer fremdbestimmten Zuordnung der Lernenden, Ungeeignetheit schulischer Strukturen, ungenügende Effizienz – um nur einige Bedenken zu nennen.

Die vorliegende Themenausgabe rekonstruiert die Diskussion um die Binnendifferenzierung in den Basisartikeln, bietet wesentliche Forschungsergebnisse zur Thematik und gibt zahlreiche Praxishilfen in der Umsetzung einer vom Schüler her gedachten Binnendifferenzierung. Das E-Mail-Interview mit dem pädagogischen Leiter der Offenen Schule Waldau, Achim Albrecht, eröffnet einen bildungspolitischen Blick auf die Thematik, greift notwendige institutionelle Reformen auf und gibt Anregungen für die Umsetzung in der schulischen Praxis einer der bekanntesten reformpädagogischen Schulen.

Es soll abschließend darauf hingewiesen werden, dass die Inhalte der letzten Ausgabe 3/2011 der Online-Zeitschrift „Schulpädagogik-heute“ nun in überarbeiteter und z.T. erweiterter Form in drei Buchbänden als Bände 14-16 der Schriftenreihe „Theorie und Praxis der Schulpädagogik“ soeben erschienen sind:

 

Andreas Füchter/ Klaus Moegling (Hrsg.):

Ø  Diagnostik und Förderung. Teil 1: Didaktische Grundlagen

(incl. des Gesprächs zwischen Andreas Füchter und Fritz Zaugg)

 

Ø  Diagnostik und Förderung. Teil 2: Beispiele aus der Unterrichtspraxis

Ø  Diagnostik und Förderung. Teil 3. Forschungsergebnisse

(Alle drei Bände sind ab sofort beim Prolog-Verlag online bestellbar: www.prolog-verlag.de oder im Buchhandel.)

Auch für die vorliegende Ausgabe zur Binnendifferenzierung ist wieder ein Buchband geplant.

Die Redaktion und der Prolog-Verlag bedanken sich wieder bei allen Mitarbeitern/-innen für ihre ehrenamtlich-professionelle Unterstützung der vorliegenden Ausgabe, die alle Beteiligten unter dem enormen Arbeitsdruck Ihrer beruflichen Positionen und Arbeitsfelder gestaltet haben.

Über zu publizierende Stellungnahmen und Leserbriefe würden wir uns freuen:

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mit den besten Grüßen die Redaktion von Schulpädagogik-heute

(Katja Faulstich-Christ, Gabriel Hund-Göschel, Klaus Moegling, Tim Sauerwein,

Patrick Schüler und Martin Volkmann)

Neu im Prolog-Verlag

  • Band1416

    Andreas Füchter / Klaus Moegling (Hrsg.):
    Diagnostik und Förderung.
    Teil 1 bis 3.
  • Band11

    Michaela Artmann/ Petra Herzmann/ Kerstin Rabenstein (Hrsg.):
    Das Zusammenspiel der Fächer beim Lernen.
  • Band9

    Katja Faulstich-Christ/ Rainer Lersch/ Klaus Moegling (Hrsg.):
    Kompetenzorientierung in Theorie, Forschung und Praxis.
  • Faulstich

    Tobias Altmann / Katja Faulstich-Christ /  Helena Heinzeroth:
    Moderner Unterricht in den Sekundarstufen I. und II. informieren ...
  • Moegling

    Klaus Moegling:
    Kompetenzaufbau im fachübergreifenden Unterricht informieren...

Neu im Schneider-Verlag

  • Schneider_lehrer-ident

    Hans Berner, Rudof Isler:
    Lehrer-Identität, Lehrer-Rolle, Lehrer-Handeln
  • Schneider_Umgang-mit

    Hannelore Faulstich-Wieland:
    Umgang mit Heterogenität und Differenz

Neue Reihe

  • Moegling

    Klaus Moegling/ Bernd Overwien/ Wolfgang Sachs (Hrsg.):
    „Globales Lernen im Politikunterricht“

Vorschau

Schwerpunktthemen Schwerpunktthemen
----------------------------------------
Ausgabe 05/12
Reform der Lehrerbildung
Ausgabe 06/12
Körper, Bewegung & Bildung
----------------------------------------
Ausgabe 07/13
Rhythmisierung der Schule
Ausgabe 08/13
Medien in der Schule

Bewegungslehre & ...

  • Band-26

    Niels Altner:
    Achtsamkeit und Gesundheit. Auf dem Weg zu einer achtsamen Pädagogik
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E-Mail-Kontakt zur Redaktion: sh@schulpaedagogik-heute.de
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Herausgeber von Schulpädagogik-heute: Prolog-Verlag - Immenhausen