08. August 2010
-- Veröffentlichung am 01. September 2012 --
Call for papers
Für die Themenausgabe 6 der Online-Zeitschrift ‚Schulpädagogik – heute’
Körper, Bewegung und Schule
Das Thema ‚Körper, Bewegung und Schule‘ wird in Relation zu anderen Themen recht selten in den Erziehungswissenschaften und in der Schulpädagogik bearbeitet. Ausnahmen hierzu bieten vereinzelte Erziehungswissenschaftler, wie z.B. Horst Rumpf, Peter Fauser oder Käte Meyer-Drawe, sowie das Konzept der ‚Bewegten Schule‘.
Ansonsten wird die Leibthematik im Zuge des Überschreitens von körperlichen Grenzen oder der Verletzung körperlicher Intimität eher an der Oberfläche erziehungswissenschaftlicher und medialer Thematisierung behandelt. Es lässt sich eine gewisse ‚Leibfeindlichkeit‘ der Pädagogik feststellen, so als wären Körper und Bewegung an jedwedem Lernen nicht beteiligt. Eine derartige Missachtung der Leibthematik widerspricht der anthropologische Grundtatsache der leiblichen Positionierung des Menschen in der Welt und der Bedeutsamkeit körper- und bewegungsbezogener Lernprozesse.
Bildung ist auf die Klärung des Selbstverhältnisses zur Welt gerichtet, ohne die leiblich-sinnliche Dimension bleibt sie ein pädagogischer Torso zu sein, der sowohl die Chancen eines anderen Lernens als auch das Bewegungsbedürfnis sowie sinnlich-leiblicher Erfahrungen vernachlässigt. Auch führt die Vernachlässigung der Leibthematik zu einer tendenziell entfremdeten Situation für Lernende, wenn sie den größten Teil der Woche so tun müssen, als hätten sie keinen Körper, wären sie nur das Gehirn, das auf dem Körper aufsitzt, der wiederum die meiste Zeit diszipliniert auf einem Viertel-Quadratmeter Stuhl positioniert ist.
Dieser pädagogisch problematischen Situation arbeitet nun das Konzept der ‚Bewegten Schule‘ entgegen, das bereits in den Grundschulen weite Verbreitung gefunden hat, sich seit einigen Jahren auf die weiterführenden Schulen ausdehnt und vor allem in der Ganztagsschule aufgrund des verlängerten Schultages eine besondere Bedeutung erfährt und weiterentwickelt wird. Dieses Konzept geht von folgender Fragestellung aus:
Wie kann Schule auch unter dem Aspekt neu entworfen werden, dass die Leibthematik, d.h. das Verhältnis zum eigenen Körper und die körperliche Bewegung in sozialen Kontexten eine größere Rolle in der Schulkultur und im schulischen Lernen spielen können?
Das Konzept der ‚Bewegten Schule‘ verbindet Körper und Bewegung mit den Lernprozessen in allen Fächern, es eröffnet Lerngelegenheiten im Zusammenhang mit Bewegungssituationen in informellen Schulräumen, wie z.B. dem eigens bewegungsfreundlich gestalteten Schulgelände, es integriert Formen praktischen Lernens, die durch körperliche Aktivität gekennzeichnet sind. Eine ‚Bewegte Schule‘ bietet des Weiteren Formen bewegungs- und sportorientierter Arbeitsgemeinschaften und entwickelt eine sportunterrichtliche Bewegungserziehung, die ein verständigungsintensives Bewegungslernen ermöglicht und weit über das Lernen von Sportarten hinausweist. Auch außerschulische Lerngelegenheiten, z.B. Exkursionen oder Klassenfahrten, bieten zahlreiche bewegungsbezogene Bildungsmöglichkeiten. Die ‚Bewegte Schule‘ ist ein komplexes pädagogisches Projekt, das versucht, die Leiblichkeit der Lernenden über Bewegungssituationen als Ausgangspunkt von Bildungsprozessen im Sinne von orientierender Welterfahrung und -erschließung achtungsvoll einzubeziehen.
Die Redaktion von ‚Schulpädagogik-heute‘ sucht Basisartikel und Forschungsberichte, Praxisartikel sowie Forumsbeiträge zum Thema ‚Körper, Bewegung und Bildung‘ in der Schule‘. Diese Beiträge können das Thema unter einem Einzelaspekt fokussieren, wie z.B. des veränderten Lernens, können aber auch das komplexe Konzept der ‚Bewegten Schule‘ und entsprechender Modelle und Realisierungen betreffen.
Auch Beiträge für die anderen Rubriken und Leserbriefe sind weiterhin erwünscht.
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